| Besprechung: |
 |
Von Motivationstief mag zunächst niemand reden - aber es ist eindeutig
in den verquollenden Gesichtern zu erkennen.
Die Mauern sind, nach erster Bestandsaufnahme, noch etliche Steinreihen zu niedrig, die zweite Tür ist zu hoch, und
die Kabeltrommel ward in Nürnberg vergessen.
In der Baugrube herrscht Chaos. Steine, Schaufeln, Kanister, etliche Grilleinrichtungen. Nur zur Arbeit kann sich
niemand aufraffen.
Bereits vor Baubeginn wurden folgende körperliche Beschwerden zu Protokoll gegeben:
Wipplinger - unbeweglich
Heumann - Wadenzerrung rechts
Weiss - Kniebeschwerden links, schmerzendes Handgelenk links
Arendt - übermüdungsbedingte unangenehme Geschichtsblässe
Einzig der Schwarze strotzt vor Kraft, pisst aus Leibeskräften und klaut Nahrungsmittel. Typisch. Alles wartet auf
Herrn Härtl, welcher verdächtigt wird, Motivation für alle mitzubringen.
12:14 Uhr: Offene Maurer-Meuterei. Streitpunkt ist die Richtung, in welche sich die zweite Tür öffnen wird. Der Alkoholspiegel
der beteiligten bestimmt, wer recht bekommt - die klareren Gedanken setzen sich durch.
Die Herren aus Ingolstadt und München befassen sich geisteswissenschaftlich mit Immanuel Kant, während sie einen
Qubikmeter Dreck nach dem anderen auf den zukünftigen Schutzwall wuchten. Die Kameradschaft aus Neumarkt begeht unter
der Führung von Herrn Härtl ein Wunder nach dem anderen. Frau Arendt sorgt - wie so oft - für anständige Verpflegung,
während alle anderen das tun was sie am Besten können: Bei bestem Wetter lästern, maulen und saufen. Schön eigentlich.
Das Ende: Die Tür ist - zumindest teilweise - eingemauert. Die Mauer ist auf zwei Seiten wieder einen halben Meter
höher und - was das Wichtigste ist - die Tür geht nach außen auf. Ein furioser Sieg der Vernunft über die Faulheit.
Jetzt, wo das Höhlenlabor ca. 30m³ groß ist, können die Planungen für die Einrichtung beginnen: Höhlen-WebCam, vollautomatische
Fledermauszählvorrichtung, Fernseher für langweilige Stunden, Schreibtisch, Kassenhäuschen, Ofen und Eckenchristus
um Andersgläubige abzuhalten.
|