Auslandshöhlenbeschreibung ÖFFENTLICH
Höhle:

Su Palu

[ verschleiert Verschleierte Informationlink ]
Lage: Italien, Sardinien, Urzulei
Koordinaten: [BBE102]
C48CD510-EF21-11E3-821C-14109FDE7809
Typ: Echte Wasserhöhle
Länge: 76 km
Tiefe: 240 m
Bewertung: 201
Anspruch: 7
Material: soweit wie bekrochen: kleiner Fallgurt.
Getier: Allerhand farblose Insekten
Verschlossen: es existiert eine Verschlusseinrichtung. Wann diese das Loch unzugänglich macht ist unklar.
Gesamtzeit: 7:38 Stunden
Bekriecher: Florian SeeleitnerJürgen Wipplinger
Spektakuläres: Su PaluSu PaluSu Palu
Missionen:
Beschreibung:

Die Su Palu ist Teil eines großen Karstkomplexes im Osten Sardiniens mit dem Namen "Complesso Carsico della Codula di Luna". 1980 wurde die Höhle entdeckt und bis 1988 auf einer Länge von rund 16km erforscht. 1989 wurde die benachbarte Su Spiria mit ihrer Länge von über 7km angeschlossen und damit ein Höhlensystem geschaffen. Durch weitere Forschungen und Zusammenschlüsse mit kleineren Höhlen der Umgebung wurde 2002 eine Länge des Systems von über 34km erreicht.

Su Palu

Im Juni 2016 gelang Höhlentauchern der Zusammenschluss des Systems mit der bekannten "Grotta del Bue Marino" an der Küste, womit auch weitere Höhlen wie die Su Molente angeschlossen wurden. Das System ist mit einer derzeitigen Gesamtganglänge von über 76km das Größte Italiens und es darf mit weiteren Zuwächsen gerechnet werden.

Su Palu

Die Zufahrt erfolgt über eine namenlose 12km lange Sackgasse. Die Straße zweigt von der SS125 ab und schraubt sich etwas abenteuerlich in ein Tal (= Codula) hinab, bis es auf Flussniveau noch einige Kilometer weiter geht. Die Straße endet an einem großen Parkplatz. Von hier kann man in und am Flussbett entlang an den 9km entfernten Strand der Cala Luna wandern - oder eine der vielen Höhlen besuchen.

Su Palu

Vom Parkplatz sind es etwa 800m bis zum vergitterten Eingang. Man folgt dem Flüsschen unauffällig an seiner rechten Seite, gelegentlich ist der Weg etwas zugewachsen. Der Eingang befindet sich ein paar Meter über dem Flussniveau und ist dank großem Erklärungsschild kaum zu übersehen. Auf der anderen Seite des Tals zieht eine markante Rinne zum Fluss hinunter, die den Bach Palu führt und namensgebend für den Hohlraum ist.

Su Palu - Der handwerklich stümperhaft angebrachte Hohlraumverschluss. Hier ist der Franke anderes gewohnt. Aber die großzügige Beschriftung der Höhle mit rotem Lack aus der Dose imponiert.

Der Eingang ist mit einem großen Gitter verschließbar - bei unseren Besuchen stand es allerdings offen. Wann hier zugesperrt wird ist nicht bekannt.

Der Eingangsbereich ist uneinladend eng, scharfkantiger und brüchiger Fels rupfen stark am Mann. Bereits nach wenigen Metern geht es über eine Rutschbahn 18m steil bergab, hier ist SRT-Materialeinsatz nicht verkehrt. Am Ende des Steilstücks öffnet sich der Raum und wird größer. Immer größer. Die Scurions finden kaum mehr etwas zum Anleuchten. Großes Blockwerk zieht scheinbar unendlich in die Tiefe, ein erstes Gefühl wie bei einer Nachtwanderung kommt auf. Wer nur ein paar Stunden Zeit hat, kann sein Gerödel hier ablegen, bis zu den Kaskaden ist keinerlei Kletterhardware mehr nötig.

Su Palu - Gar herrlich.

In der Ferne hört man bereits ein leises Rauschen, das beim nun folgenden Abstieg an der rechten Seite entlang immer lauter wird. Über große und kleine Blöcke erreicht man schließlich den Bach, der mit einer Geräuschkulisse wie ein Großer daherkommt, aber dankenswerterweise nur wenig Wasser führt.

Dem Wasser folgend nähert man sich nun der Badestelle. Hier müssen sich Höhlenforscher und Bach einen kleinen Durchschlupf in die hinteren Bereiche teilen. Während das Wasser munter durch das kleine Fenster im Fels plätschert, kann es bei den angeblichen Profis ein paar Sekunden länger dauern, bis Einigkeit herrscht und man mit angehaltenem Atem ins fast angenehm warme Nass robbt.

Su Palu - Herr Seeleitner beim Ausschlufen aus dem

Der Schluf ist etwas scharfkantig und große Kopfbewegungen sind darin nicht möglich. Schön, wenn dann der Schlaz von hinten her durchgespült wird, so kann jeder einen kühlen Kopf bewahren. Nach ein paar Metern wird das Gangprofil wieder größer, aufrichten ist möglich, wenn auch nicht ganz. Es folgt eine längere Schlüssellochpassage mit dem Bach am Boden, bis man schließlich aussteigen kann. Die Wege von CaveSeeker und Wasser trennen sich hier vorerst.

Nun beginnt der lange, großräumige und äußerst abwechslungsreiche Teil namens Altaloma. An einigen Stellen muss Blockwerk umklettert werden, Reflektoren an manchen Felsblöcken helfen beim schnellen Auffinden des ungefährlichsten Wegs. Meist ist der Boden jedoch gut begehbar. Riesige Sinterplatten wechseln sich ab mit Kies, Excentriques wachsen zuweilen wie Unkraut an größeren Tropfsteinen, mehrere Meter lange Spaghettis und der große Gangdurchmesser beeindrucken zunehmend.

Su Palu

Nach mehreren Hundert Metern des Staunens ist wieder Wasser zu hören, einige kleine Wässer treffen an der folgenden 'Confluenza' zusammen und vereinigen sich zu einem respektablen Bach. Hier knickt der Höhlenverlauf wieder nach Südost ab, nachdam des vorangegangene Teilstück nach Nordost ausgerichtet war.

Im etwas labyrinthartigen Bereich der Zusammenflüsse muss der Höhlenforscher wieder ins Wasser. An tieferen Stellen ist es unausweichlich, dass sich die Gummistiefel erneut mit Wasser füllen. Der Körpertemperatur ist dies einigermaßen zuträglich, schließlich ist die Lufttemperatur in der Höhle deutlich höher als im kalten Nordeuropa. Ab und zu muss sich unter großen Tropfsteinvorhängen geduckt werden, meist ist die Decke jedoch so hoch, dass sie kaum erspäht werden kann, es kommt wieder Nachtwanderungsstimmung auf. Schließlich verbreitert sich das Flussbett, das Wasser wird flacher, es gibt Strände aus Sand und Kies, das Wasser mäandert durch den Fels und spätestens jetzt wähnt man sich kaum mehr in einer Höhle.

Su Palu

Dieser Abschnitt nennt sich White Nile und ist etwa 700m lang. Allerdings verengt sich nach 200m das Flussbett wieder zu einer schmalen Klamm und es folgt eine Serie von Wasserfällen ('Cascata'), die nicht mehr ohne Zusatzausrüstung gemeistert werden können. Rechterhand beginnt eine Art Klettersteig die Kaskaden zu umgehen, man befindet sich aber teilweise sehr ausgesetzt und hoch über dem Flussniveau, zudem macht rutschiger Lehm das Fortkommen nicht sicherer. Wir entscheiden uns für die Umkehr, bis hierher wurden etwa 1900m der Höhle durchschritten. Also fast nichts.

Su Palu

Erzählungen zufolge soll es "danach erst schön" werden, was schwierig zu glauben ist, nachdem schon die vorderen Bereiche einstimmig als "die schönsten" von uns betitelt wurden. Neugierig wären wir aber schon und ein Biwak in so einer Höhle kann eigentlich niemand ausschlagen. Durch den eher niedrigen Schwierigkeitsgrad bei gleichzeitig schönstem Sinter und einer abwechslungsreichen Gangführung muss im Gesamtbild eindeutig von "der schönsten Höhle" gesprochen werden. Punkt.

Erzeuger: Autor: Florian Seeleitner 20.06.2016 - 22:27:32
Speläotheme: Sinterbecken [ ]
Palmenstammstalagmit [ ]
Stalagmit [ ]
Disque [ ]
Hodensacksinter [ ]
Excentrique [ ]
Sinterröhrchen [ ]
Lebensformen: Mensch [ ]
KOORDINATEN REAKTOR ZWEI VERSION 0.22 - HIRNMACHT
CAVESEEKERS
Links: Der 'Shepton Mallet Caving Club' hat ausführliche Publikationen (meist nicht digital) zu den Höhlen Sardiniens
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