Dieses Kapitel behandelt die oft sträflich vernachlässigte Erste-Hilfe Ausrüstung der Höhlenforscher.
Als Beispiel sei dazu eine Befahrung im feuchten Keller aufgeführt. Beim Schachtabstieg hatte ich mir damals die
Hand aufgerissen und mein Höhlenspezl fragte mich verwundert, wo ich denn den mir selbst angelegten Verband her
hätte. Ich bot ihm in bekannter Lehrermanier mehrere Anworten als kleine Hilfestellung an:
a.) Ich habe mir ein Stück aus den Schlaz gebissen.
b.) Ich griff mir eine Fledermaus, und habe mir diese um die Wunde gewickelt.
c.) Ich habe ihn dabei gehabt.
d.) Der Verband entspringt einer halluzinatorischen Psychose.
Die richtige Antwort ist natürlich b.
Auch bei weiteren Höhlenbefahrungen machte ich die Erfahrung, daß eine angemessene medizinische Versorgung oft
nur spärlich, wenn überhaupt gewährleistet ist. Freilich braucht man nicht in gewohnter
Höhlenretterprofilierungsmanier einen ganzen Verbandskoffer, inklusive Sauerstoff und Notfallbesteck für
eine Schädelöffnung mitzuschleppen. Aber eine Binde - von mir aus auch ohne sterile Wundauflage,
denn Höhlenforscher sind ja bekanntlich erdverbunden -, einen guten alten, wenn möglich gebrauchten,
Leichenbergesack oder einen ordinären Biwaksack, sowie eine Rettungsdecke kann man ohne viel
Gewichtszuwachs durchaus mitführen.
Man beachte zusätzlich die medizinischen Versorgungsmöglichkeiten. Hier sei zunächst eine Geschichte von
einem Höhlenforscher aus Garmisch erzählt, welcher sich in der Adventhöhle seinen Fuß brach. Natürlich hatten
seine Kameraden keine Schmerzmittel bei der Hand und der Verunfallte hatte wenig Freude, als man ihm seinen
Fuß beim Bergen periodisch in alle Richtungen bog.
Als Notfallmedikation gab ihm die Bergwacht später dann Tramal - ein halbsynthetisches Morphium und
hervorragendes Schmerzmittel. So ein kleines Fläschen in der Tasche hat zudem auch einen psychologisch
beruhigenden Effekt. Auch bestimmte Benzodiazepine wie Tavor (Mittel gegen Angst) oder das gute alte Valium, können
in extremen Situtionen helfen allzu angespannte nervliche Stressituationen einzupendeln. Auch die eine oder
andere Kapsel Blausäure - oder im Volksmund Zyankali - mag in Ausnahmesituation einen heroischen Abschied
gewährleisten. Man stirbt nur einmal. An dieser Stelle flammt die Diskussion auf, ob es nicht gefährlich sei, all'
diese Mittel mitzuführen.
"Denn da kommt die Polizei und fragt was ist denn das?"
Diese Mittelchen sind jedoch nicht dazu gedacht, sich einen billigen Rausch zu verschaffen, sondern jemanden
mit gebrochenen Wirbel, offenen Schienbeinbruch, Gehirnquellungen oder ähnlichem vor dem sicheren
Nervenzusammenbruch zu bewahren. Wenn in einem tagfernen Teil einer Großhöhle ein Unglück passiert, beginnt
ein Wettlauf gegen die Zeit. Unterkühlung, Stress und Schmerzen sind eine höllische Kombination, um jemanden
vorzeitig ins Jenseits zu befördern. Also sind "Mothers little Helper" durchaus angebracht. Schwierigkeiten
können jedoch bei der Beschaffung entstehen, da dem Bürger in Deutschland die wirksamsten Mittel
selbstverständlich vorenthalten werden. Wer also weder über gute Internetkenntnisse verfügt, Inhaber einer
Arztpraxis oder Apotheke ist, noch Kunde eines verschwiegenen Hausarztes ist, dem sei ein homöopathisches
Mittel in Form von Bachblütten Rescue Tropfen empfohlen.
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß alte Bergsteigerbücher in der Packliste Captagon und Pervitin
(beliebtes Aufputsch- und Doping Mittel der älteren Generation bei Auslandsaufenthalten) aufgeführt haben. Ein
weiteres Utensil zum Höhlenrettungspackerl wäre noch das Einmalskalpell. Nicht etwa um eine
Beinamputation durchzuführen, sondern um nach einem Knöchelbruch den Schuh aufschneiden
zu können.
Zusammenfassend betrachtet sind es nur wenige leichte Materialien, welche man mitnehmen sollte:
1. Binde mit oder ohne Wundauflage
2. Schmerzmittel
3. Rettungsdecke
4. Biwaksack
5. Einmalskalpell
Als Tipp sei noch erwähnt, daß es im Fahrradgeschäft günstige und kleine erste Hilfe Taschen gibt.
In diesen sind die Materialien bereits enthalten, gut verpackt und vor Dreck und Nässe geschützt.
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