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Wenn der Preiß´ eine Mauer mauert, dann hält die auch mal
länger als dreißig Jahre. Wenn nicht, hat wie immer der Russe daran Schuld. Aus taktischen
Gründen behauptet er natürlich vorher, niemals eine Mauer bauen zu wollen. Der Preiß´
natürlich, nicht der Russ, obwohl bei genauerer Betrachtung der Situation festgestellt
werden muss, dass damals ein Sachse den großen Vorsitzenden mimte.
Den Franken lässt das kalt - Sachsen wie Preißn zählen für ihn ohnehin nicht zu den
höher entwickelten Lebensformen und ihre kulinarischen Bräuche sind ihm das eine
oder andere Vaterunser wert. Da er aber ständig damit rechnen muss, einem dieser
kulturlosen Gesellen zu begegnen, errichtet er an jeder Wegbiegung kleine Tempel,
um sein Gebet in angemessener Atmosphäre herunterleiern zu können. Diese nennt er
dann bevorzugt Lourdesgrotte.
Er könnte sie auch anders betiteln, aber da ein echter Franke
selten weiter kommt als bis zum nächsten Wirtshaus, holt er sich so die große weite
Welt auf seine Acker. Der Franke ist aber auch ein Ästhet - darum schmückt er seine
ganzen Lourdesgrotten mit allerlei Fetischen - und weil einer anständigen Grotte
ein paar Tropfsteine ganz gut stehen, scheut er keine Mühe, auch welche herbeizuschaffen.
Wenn nun also zwischen der Behausung eines solchen und seinem bevorzugten Wirtshaus
eine echte Grotte liegt, dauert es nicht lange, und die ganzen Tropfsteine lassen
sich zum wahren Glauben bekehren und finden sich irgendwann in Gesellschaft der übrigen
Reliquien in den erwähnten Tempeln wieder.
Auf andere Weise lässt sich dieses Phänomen nicht erklären.
Der Franke mauert auch gerne, und weil ihm diese Tropfsteinwanderung
irgendwann doch ein schlechtes Gewissen bereitet, mauert er die nun kahle Grotte
einfach zu und nimmt in Zukunft einen anderen Weg zu Bier und Schäufele.
Nun hat er im Umgang mit Kelle und Mörtel auch nicht ansatzweise
die Erfahrung des Preißn, darum wird das von ihm errichtete Gebilde irgendwann ein
Opfer der Schwerkraft und der Hohlraum kann ohne sinnlose Gewaltanwendungen betreten
werden. Der so entstandene Eingang liegt direkt an einem gut beschilderten Wanderweg
und ist auch für Ausflügler mit Kinderwagen und dem Opa im Rollstuhl im Schlepp leicht
zu erreichen, für fränkische Höhlen hat er eine geradezu einladende Größe. Untypischerweise
auch kann man sich in dem gesamten Gebilde aufrecht fortbewegen,
diese unnatürliche Körperhaltung beizubehalten, stellt die einzige Schwierigkeit
bei einem Besuch dar.
Über der relativ ebenen, an die 20 m breiten und nicht besonders
aufregenden Haupthalle wölbt sich ein etliche Meter hoher Trichter. Ob die Mühe lohnt,
für diesen extra eine Leiter mitzuschleppen, ist nicht überliefert. Namensgebend
für die Höhle war ein größeres Wasserbecken in einer höhergelegenen Nebenhalle, die
trotz aller Plünderungen noch etwas von ihrer ursprünglichen Schönheit ahnen lässt.
Der Wasserstand im Becken scheint stark zu schwanken, selbstredend mußten wir genau
dann dort aufkreuzen, als er viel niedriger nicht mehr sein konnte.
Ein zweites, ganz sauberes Becken versteckt sich in einem
nach oben führenden Fortsatz dieser Halle, an den traurigen Resten des letzten Tropfsteins
vorbei muss ein Hauch von Einsatz gezeigt werden, um dort hinzugelangen ohne hineinzulangen,
sonst ist es bald nicht mehr so rein. Auf seine Kosten kommt, wer sich da oben einmal
umdreht und seiner schmutzigen Phantasie freien Lauf lässt. Zudem ist dort die einzige
Möglichkeit, ein klein wenig Dreck auf den Schlaz zu schmieren, man will schließlich
einen auf hart machen.
Ein paar neugierigere Vertreter unserer Spezies geben sich in der Südostecke des
Hauptraumes richtig viel Mühe, den Höhlenboden zu einem beachtlichen Haufen aufzutürmen,
ob aus Forscherdrang oder um den Eingang mit einem Keltenwall zu verschließen, bedarf
noch einer endgültigen Klärung. Schon deswegen wird das Objekt weiter observiert:
Arbeiten, die andere erledigen, fallen allgemein am leichtesten.
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