Der Aufstieg am Vortag war geprägt
durch zwei, sich jeweils an einem Fuß der korpulentesten Person der Gruppe befindlichen,
großflächigen Blasen. Erstmals wurden diese nach ca. 15% des Aufstiegs
entdeckt, aber ignoriert. Nach weiteren 20% des Aufstiegs waren dann zwei 3x5cm große,
vollständig hautfreie Stellen an den Fersen zu bejammern. Glücklicherweise hat der
erfahrene Alpinist zahlreiche 'Compeed' Blasenpflaster am Start - deren Existenz
dem Blasenträger bis Dato völlig unbekannt war - und deren Hilfe zunächst nur stark
zweifelnd angenommen wurde. Jetzt aber steht auch für Herrn Wipplinger fest:
Compeed
Blasenpflastermüssen mit!
Am Abend vor der geplanten Befahrung
wurden die letzten Sonnenstrahlen - von den Teilen der Mannschaft mit intaktem Gehwerk
- genutzt, um den Höhleneingang zu finden. Da man sich zwar eine gute Zugangsbeschreibung
ausgedruckt hatte, diese dann aber zur Sicherheit im Auto hat liegen lassen, wurde
das Hüttenpersonal zunächst um Rat gefragt. Mit einer ungefähren Richtung und Entfernung
im Hinterkopf brachen die Kameraden Seeleitner und P. auf, fügten aus ihren blassen
Erinnerungen des Textes weitere Informationen hinzu - und fanden nichts
. Immerhin konnte die Bullö-Doline kurz besichtigt werden, bevor man sich dann einige
Höhenmeter tiefer zum Rückweg entschloss. In einem Geistesblitz erinnerte sich Herr
Seeleitner plötzlich an die Ausrichtung des Höhleneingangs, immerhin konnten so die
potenziellen Stellen auf wenige Felswände reduziert werden. Diese wurden wenig systematisch,
aber trotzdem erfolgreich abgesucht und so konnte Herrn Wipplinger bei einem Bier
und rotem Wasser Vollzug gemeldet werden.
Die folgende Nacht war von einigen
Gegensätzen geprägt: zunächst war man müde, da es Nacht war - andererseits verhinderte
ein ohrenbetäubendes Schnarchkonzert eines Fremden das Einschlafen. Zusätzlich war
man vom Aufstieg müde, aber die Höhe machte sich bemerkbar und verhinderte wiederum
geruhsamen Schlaf. Dank
Ohropaxkonnten die körperlichen
Bedürfnisse irgendwann die Oberhand gewinnen - und man schlief. Sehr lang. Zu lang.
Alle Hüttengäste waren schon weg, das Hüttenpersonal putzte schon die Zimmer, als
man zeitgleich überrascht vom Tageslicht erwachte und sich aufrappeln musste.
Gestärkt mit ein paar Riegeln,
Keksen und Wasser wurde der Abmarsch vorbereitet. Eine im Schlaz vorgetragene Bitte
an
vom Hüttenpersonal zwecks Alarmzeit wurde mit einem überraschten
"Un wos soll i dann mochn?" gekontert. Latente Angst ob unserer Fähigkeiten wurde
sichtbar - wie unerfahren müssen wir sein, dass wir eine solche Bitte äußern? Dabei
es ist eben genau nicht der blutige Anfänger, der sich um eine Alarmzeit
kümmert, sondern der Profi.
Hochmotiviert, stieg man bei Temperaturen
um den Gefrierpunkt und orkanartigem Sturm am Bullö
Kamm entlang - den Löchern entgegen. Der "Griff" der - als behelfsmäßiger Schleifsack
Verwendung findenden Karst adt-Tüte - wurde ob des Windes immer weiter,
aber schließlich erreichte man den Eingang der Obstanser Tropfsteinhöhle und konnte
sich in ihr vor einsetzendem Hagel in Sicherheit bringen.
Im Loch waren die Gesichter zunächst
lang. Stellenweise sogar länger als die Nasen. Keinerlei Sinter am Start. Dafür scharfkantige
und kleinräumige Einheitsalpenkost. An der ersten kleinen Problemstelle
konnte Herr Wipplinger - bedingt durch Herrn Seeleitner - mit einem beherzten Sprung
ins Dunkel einen 10 minütigen Vorsprung im Loch herausarbeiten. Dieser
wurde genutzt, um jedes noch so uninteressante Steinchen zu fotografieren - schließlich
lag die Vermutung nahe, dass im Loch nichts weiter vorzufinden sei. Schließlich hatte
man sich im Vorfeld im Internet informiert und nur ein sehr schlimmes Bild von sehr
windigen "Tropfsteinen" entdeckt. Dem Namen des Lochs zum Trotz.
Nach einigen intimen Momenten -
Fotograf und Blitzschlampen kamen sich aufgrund beengter Verhältnisse im Loch unfreiwillig
körperlich sehr nahe - folgten noch einige bange Minuten in höchster Not (Wipplinger
keuchend und unsicher an der Wand balancierend, Seeleitner und P. keuchend aber sicher
am Boden), bevor der Rückweg eingeschlagen wurde. Glücklicherweise wurde auf dem
Rückweg die Umgehung "entdeckt", die dann tatsächlich die angepriesenen "Speläotheme"
des Lochs enthält: einige Excentrics, ein Sinterbecken, Sinterfahnen, ordinäre Tropfsteine
und sogar ein paar Makkaronis. Hurra!
Voller Freude wurden diese abgelichtet. Viele Minuten lang. Und vorsichtig, die Worte
im Kopf: "Ich kenn alle Tropfsteine.
Wehe, da ist später einer abgebrochen". Schmunzelnd wurde fotografiert und bald waren
genug Bilder im Kasten - der Punkt war gerettet.
Der Ausstieg war schnell geschehen. Der Hagel hatte sich verzogen, der schneidende Wind begrüßte uns. Sofort wurde der tief unten liegende Pfad zur Obstanser Eishöhle anvisiert und ohne Rücksicht auf Verluste steil bergab gehumpelt, gerutscht und geflucht. Schlimmer aber noch war das, was am Ende in der Hütte vorgefunden werden musste:
Fazit: Wie so oft: Wer zufällig vor Ort ist, kann sich selbst oder einen kurzen Blick ins Loch werfen - er muss aber nicht.


































