Weitgehend unerschrocken
stellt sich der CaveSeeker generell den Schrecken eines Höhleneingangs
- egal in welchem Land und unter welchen widrigen Umständen
. Aber hier - im doch eher unscheinbaren Österreich - steht so mancher
plötzlich neuen Herausforderungen gegenüber. Ein echter Berg. Mit
einem ausgesetzten Steig zum Loch.
Es gilt, im Angesicht des eigenen Absturzes, mindestens 50 Meter
auf einem 30cm breiten Felsband voranzuschreiten, auf dessen linker
Seite es entspannte 100 Meter senkrecht in die Tiefe geht und an
dessen rechter Seite die Felswand 50 Meter senkrecht nach oben ragt.
Der routinierten Mehrheit zaubert dieser Spaß nur ein müdes Lächeln ins Gesicht,
während die fränkische Minderheit fast den Müller macht.
Irgendwann - jedes Gespräch ist teilweise
aus Langeweile, teilweise angstbedingt bereits längst eingestellt
- erscheint endlich ein Stahlseil am Vorsprung, um dem Ängstlichen Sicherheit vorzugaukeln.
Schweigend schreitet man voran - gibt sich dennoch betont lässig
.
Aufkommender Unmut über den nicht auftauchenwollenden Höhleneingang wird Herrn Seeleitner lautstark über die Schulter zugeschrien. Dieser reagiert mit fadenscheinigen Reden im Sinne von "Nur noch einmal ums Eck". Beim Erreichen des letzten "Ecks" war das dann sogar nicht mal mehr gelogen.
Beim Begriff " Eishöhle " mag der Unbedarfte zunächst an eine Höhle im Eis denken. Schön blau, kalt und am besten trocken - eventuell mit einer eingefrorenen Leiche im kristallklaren Höhlenboden. Er denkt erst im zweiten Ansatz an eine "normale" Höhle, in der ein paar - zugegebenermaßen ausgedehnte - Strecken mit Eis bedeckt sind und spannende Formationen bilden. Und dass es dort neben der vorhandenen Grundkälte auch noch viel Wind und Wasser gibt, merkt er erst vor Ort. Schnell sortiert er den Begriff "Eishöhle" anders ein und harrt der Dinge, die noch kommen mögen.
Bereits nach wenigen Metern im Loch sind
die guten Kettensägenhandschuhe völlig durchnässt. Man schlittert nur mäßig kontrolliert
übers Eis und hält Ausschau nach den missionsauslösenden Excentriques-Nestern
. Zunächst ohne Erfolg, der Vorwärtsdrang ist zu groß.
Es wird kälter, der Wind schärfer. Inzwischen kriecht man. Man assoziiert die engen Bereiche der Falkensteiner Höhle mit dem was man erlebt. Nur ist hier alles kälter, sauberer, schärfer - und schöner. Ungläubig - schließlich befindet man sich in Österreich - sucht man zunächst erfolglos nach dem Haar in der Suppe.
Am kleinen Höhlen-See angekommen eine erste Pause. Die Idee von Herrn Seeleitner, mit extra starken Müllsäcken als Wathosen den Siphon zu durchschreiten, scheitert an der geringen Deckenhöhe über dem ca. 0 Grad warmen Wasser - 10cm sind einfach zu wenig. Erste Zweifel kommen auf. Soll es hier tatsächlich Tropfsteine geben?
Um gute Stimmung zu bewahren, wurde die
obligatorische Schlägerei zunächst auf den Abend verschoben und stattdessen Energieriegel
verteilt. Herr Wipplinger findet Zeit, sich näher mit dem Profil des Gangs und der
Schönheit der Wände zu beschäftigen, freut sich, und spricht dann zum wiederholten
Male die Worte: " Wo sind die Excentriques? "
Die Frage bleibt zunächst unbeantwortet. Stattdessen wird in einen Schluf gekrochen, der bald in eine geräumige Wasserfallstrecke ohne Wasserfälle führt. Am Ende dieser Strecke kann er sie dann sehen: zahlreiche Excentriques-Nester . Zwar weder groß noch besonders schön, aber immerhin exzentrisch. Und beinahe viele davon.
Da die Erwartungen mittlerweile nahe der
Wassertemperatur lagen, war die Freude groß und es wurde sogleich mit den Ablichtungen
begonnen. Nach wenigen Minuten, in denen " Akrobatik vor dem Tropfstein
" eine zentrale Rolle spielte, waren 50 Bilder gestaltet. Man untersuchte noch kurz
den Hernegger-Schlot über den Köpfen und zog sich zurück. Zum Siphon. Und dann schon
wieder die Frage: " Wo sind die Excentriques? ". Diesmal mit zusammengepressten
Zähnen vorgetragen.
Auf dem Rückweg wurde auf zahlreiche
weitere Excentriques-Nester an der Höhlendecke hingewiesen. Einige davon
wurden fotografiert, andere links, wenige rechts liegen gelassen. Man näherte sich
wieder dem Eis. Die Kälte bestimmte wieder mehr und mehr die Fluchtbewegung
. Trotzdem musste in etwa jeder Quadratmeter Eis dediziert abgelichtet werden. Besonders
ein Teil an der Decke, der eine Spalte verschloss und daher als Fläche von
unten besichtigt werden konnte, hatte es einigen sehr angetan.
Herr P. erkletterte noch den stark bewetterten
Abzweig zum mittleren Teil der Höhle und ließ frierende Kameraden bange Minuten im
Wind warten. Erst die lauten " STEIN "-Schreie - und die Steine -
kündigten seine Rückkehr an. Obwohl der Aufstieg tendeziell auch für Anfänger machbar
gewesen wäre, wurde aus Motivationsmangel - und Kälte - auf einen Abstecher in diesen
Teil verzichtet. Man zog sich blitzend und weiter fotografierend über den Eis-Teil
zurück und strebte dem Ausgang zu - in der irrigen Hoffnung auf etwas Wärme oder
gar Sonnenstrahlen.
Am Außenbereich fand gerade ein prächtiges
Gewitter statt, als die durchgefrorenen Helden wieder das Licht der Welt erblickten.
Für wenige Minuten gesellte sich die Sonne zum Regen und zauberte einen Regenbogen
direkt vor den Höhleneingang. Da Herr Wipplinger fadenscheinige Ausreden für eine
Befahrung des rechten Höhlenteils hervorbrachte, brachen die Herren Seeleitner und
P. zu zweit auf. Hinter der zerbrochenen Holzleiter stürzten wahre Bäche von Regen
und Tauwasser von der Decke - leider in einem engen Gangteil. Da Ausweichen unmöglich
und Aussicht auf eine eiskalte Dusche wenig verlockend war, musste unverrichteter
Dinge umgekehrt werden. Merke : Sind die Argumente auch noch so fadenscheinig
- Wipplinger irrt nicht.
Wie am Berg üblich, zog dieses Gewitter aber nach nicht allzu langer Zeit weiter und die folgende Trockenperiode wurde zum Anlass genommen, vorzeitig wieder in Richtung Hütte aufzubrechen. Für manche war der ausgesetzte - und jetzt rutschige Steig wieder eine Herausforderung - und auch der Pfad zur Hütte wurde wegen seiner Steigung und den beiden ca. kindskopfgroßen, offenen Blasen an zwei Fersen nur mühsam und mit gefühlten 27 Pausen zur Herausforderung - für die Geduld der anderen.
An der Hütte erfreute die Unterhose im Schuhtrockenraum das Auge - und einer der extremsten Schnarcher der westlichen Hemisphere das Ohr - dem Erfinder von Ohropax sei an dieser Stelle ein großer Dank für seine Leistung ausgesprochen.


















































