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Die Entscheidung fiel in letzter Minute: Trotz Orkanwarnung und hoher Lawinengefahrstufe
wird die Hirlatzhöhle in den Alpen bei Hallstadt befahren. So machten sich die ersten
Kameraden (Herr Weinreich, Herr Meyer, Herr Lindner und Herr Schmidt) um 14:00 aus
sämtlichen Regionen Bayerns auf den Weg, um sich in München zu treffen und von dort
aus 'direkt' nach Österreich vorzustoßen.
'Direkt' ist nicht allzu wörtlich zu nehmen, da zunächst der übliche Abstecher in
die Speleothek gemacht werden musste, um dann um 18:35 endlich aufzubrechen. Die
normalerweise knapp 3-stündige Fahrt dehnte sich aufgrund der Wetterlage und der
daraus resultierenden sehr lustigen Verkehrslage - inklusive dem Einsatz von Schneeketten
- etwas aus, so dass das zuerst gestartete Mobil auch schon um 01:37 am Höhlenheim
in Obertraun ankam. Zu dieser Zeit warteten die Insassen des zweiten Wagens (Frau
Deingruber, Herr Tröster, Frau Tirge und Herr Konopac), immerhin erst um halb elf
in München abgefahren, bereits beim dritten Bier in der Wirtschaft, die trotz enormer
Schneehöhen noch offen hatte. Der Schlüssel zur Übernachtungsstätte befand sich im
ersten Fahrzeug.
Liebenswerterweise schickten die nunmehr Zweiten, einen Botschafter in die Wirtschaft,
so dass nicht bis zum Morgengrauen getrunken werden musste. Nach kurzer Nachtruhe
und nach kurzem Stehimbiss in der Luftschleuse des örtlichen Supermarktes ging es
am nächsten Morgen Richtung Höhle. Der Aufstieg zum Portal konnte trotz riesiger
Schleifsäcke, erstaunlich gut gemeistert werden, da zwei Eingeborene aus Ischl den
Weg mustergültig spurten. Auch waren die Schneeverhältnisse wesentlich besser als
auf der Strasse und die Lawinengefahr nach einhelliger Meinung durchaus in vertretbarem
Rahmen.
Nachdem der Höhleneingang am Samstag um 12:10 erreicht wurde, ging es in 2 ½ Stunden
über mit Fixseilen gesicherte Kletterstellen und Leitern zum Biwakplatz, wo die überflüssige,
für den geplanten Taucheinsatz am Nordsiphon nicht benötigte Ausrüstung, zurückgelassen
wurde.
In der Höhle ist es ca. 2-3° kalt und stellenweise bläst ein eindrucksvoller Höhlenwind.
Der 4-stündige Weg durch die Wasserklamm mit ihren Versteinerungen, Mühlen und Seen
trug zur allgemeinen Begeisterung bei und Hallen von ungeahnten Ausmaßen trieb großes
Erstaunen in die Gesichter. Am Tauchplatz angekommen erfolgte der Zusammenbau der
Ausrüstung, wobei warme Brühe vom Esbitkocher die Körper auf Temperatur hielt. Der
Tauchgang konnte beginnen, Zitat Herr Meyer:
'....nach einer Stunde hatte ich mich schließlich in ein unbewegliches Tauchmonster
verwandelt und ließ mich beim Blitzgewitter in das kristallklare Wasser des Siphons
gleiten. Das letzte Hochwasser hatte hellen Sand eingetragen, der das dunkle Stausediment
mit freundlichen Flecken überdeckte, und der Gang änderte sofort nach dem Abtauchen
sein Profil zu einer gut überschaubaren Röhre. Nach dem ersten Schock durch das kalte
Wasser beruhigte sich mein Puls und meine Atmung sofort, als ich mit leichtem Flossenschlag
durch den geräumigen Tunnel schwebte. Meine Konzentration galt nun dem Verlegen der
Leine. Auf den ersten 40m gab es keinerlei Felsen am Boden und ich fand nur eine
Sanduhr. Der Gang fiel sanft und gleichmäßig ab. Nach 40m erreichte ich einen ersten
Tiefpunkt bei -8m. ... Das dunkle Sediment war inzwischen ganz verschunden und Wände
und Boden waren von freundlicher, heller Farbe. Der Gang machte einen leichten Linksknick
und der Boden stieg ein paar Meter an. Weiter ging es in leichten Kurven, wobei die
Hauptrichtung nord-ost jedoch beibehalten wurde. Der Gang gewann wieder an Tiefe,
unvermittelt blickte ich über eine Kante in einen großen Raum hinab. Ich blieb jedoch
knapp unter der Decke und durchquerte den Raum diagonal. Dort fand ich eine weitere
Sanduhr, durch die ich meine Leine mit etwas Geschick durchfädeln konnte. Jenseits
des Raumes setzte sich der Gang in seiner gewohnten Dimension fort und begann deutlich
zu steigen. Von nun an ging es überraschend schnell bergauf. Ich hatte mich auf weiter
50m Siphonstrecke eingestellt, doch nach zwei sanften rechts-links-Kurven sah ich
bereits den Wasserspiegel über mir glitzern. Ich schaute verdutzt auf den Tiefenmesser,
verknotete meine Leine ein letztes mal in anderthalb Meter Wassertiefe und streckte
den Kopf nach nur knapp 145m Tauchstrecke aus dem Wasser, um ... als zweiter Mensch
das jenseitige Ufer des Nordsiphons zu betrachten. Nach rechts toste ein kräftiger
Bach in eine Röhre mit einem guten Meter Durchmesser. Ich krabbelte jedoch nicht
in die Röhre, sondern stieg dem Hauptgang folgend aus dem Wasser. Er bog leicht nach
rechts, wurde breiter und niedriger und fiel als Rampe unter ca. 20 Grad ab. Bereits
20m weiter stand ich am Ufer des nächsten Siphons.'
Nach merklicher Erleichterung der Wartenden und kurzem Tauchbericht wurde schließlich
der Rückweg angetreten. Nach Eintreffen am Sandbiwak gegen 22 Uhr konnte sich endlich
auch in die warmen Schlafsäcke gemummelt werden. Dieses war bereits durch Frau Tirge
und Herrn Konopac bezugsfertig eingerichtet worden. Die beiden wollten nicht den
weiten Weg durch die Klamm antreten, sondern betrieben lieber ein 3½-stündiges Sightseeing
in den alten Höhlenteilen bis zu den Hallstätter Schloten und berichteten von Eindrücken,
die sie bedingt durch die gewaltigen Dimensionen der Hohlräume, an eine Nachtwanderung
ohne Wind und Sterne erinnerten. Den Sand am Boden konnten sie sich als Schnee vorstellen.
Erst hinterher erfuhren sie, dass tatsächlich eine passierte Stelle als Sandgletscher
bezeichnet wird.
Nach einer langen und durchaus erholsamen Nacht, für einige jedoch in feuchten Schlafsäcken,
folgte am Sonntag nur noch der Weg nach draußen. Nach schon einer Stunde Packen waren
die Tauschflaschen verteilt und das Gepäck entsprechend schwer. Nichts desto trotz
machten sich einige unverdrossen Tatendurstige noch einen Abstecher zum Pendler und
kamen in den Genuss von einigen recht ausgesetzten, bis zu 60m hohen Leiterpassagen,
während Herr Meyer und Frau Tirge heimlich eine Tafel Schokolade aßen. Gemeinsamer
Treffpunkt war dann um 14 Uhr der Höhlenausgang. Auch der Abstieg erwies sich trotz
einiger Befürchtungen als gut gangbar, und nachdem eine Lawinenrinne am Wandfuß gequert
war, folgte eine grandiose Rutschpartie auf dem Hosenboden durch den weichen Schnee.
Die erfolgreiche Tour wurde in gemütlicher Runde beim Höllwirt beschlossen und bei
einsetzendem Schneetreiben fuhr man am frühen Abend wieder Richtung Deutschland,
wobei auch hier wieder die katastrophalen Straßenbedingungen zu schaffen machten,
der Höhlenpassat kurzzeitig zum überdimensionierten Schlitten wurde und die Schneeketten,
wohl dem der welche hatte, wieder gute Dienste leisteten.
Fazit: Atemberaubende Höhle mit riesigen Hallen in der beim Höhlenbiwak viel Erfahrung
gesammelt werden konnte. An- und Abfahrt schneebedingt äußerst spannend!
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